Testkauf

Trainingslager: Vor der Theke ist hinter der ThekePfefferminz

 

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

ich weiß, beim Thema Testkauf wird einem gern ein bisschen mulmig. Vor allem, wenn man selbst betroffen ist. Aber ich muss gestehen, auch ich als Testkäufer habe mich nicht vollkommen relaxt gefühlt.

Für alle hinter der Theke:
Ein Testkauf ist eine tolle Herausforderung. Er dient dazu Deine Beratungsqualität zu verbessern und etwas zu lernen.
Manchmal hat man nicht die Kunden-Sicht im Auge, und es entstehen Missverständnisse.
Keine Bange, Du trainierst ja täglich mit Deinen Kunden.
Und manchmal weißt Du gar nicht, was alles in Dir steckt.
An dieser Stelle möchte ich Dir ein dickes Kompliment machen: denn Du bist bereit, sogar nach Feierabend oder vor der Arbeit noch, Dich mit pharmazeutischen Themen wie meinem Blog zu befassen. Danke!

Du möchtest deine Fähigkeiten und Fertigkeiten verbessern und interessierst Dich dafür, wie es andere machen. Deshalb bist Du hier gelandet.
Du gehst täglich auf den Bedarf jedes einzelnen Kunden ein und erklärst ihm, warum das Arzneimittel gut für ihn ist.
Du machst Deine Kunden glücklich, weil Du ihnen zuhörst, und weil sie sich bei Dir total gut aufgehoben fühlen.
Du schiebst nicht nur Ware über den Ladentisch, sondern Du setzt Dich auch emotional ein und Du lächelst, egal was passiert.
Immer nur hinter dem Tresen stehen kann auch mal langweilig werden und die Sicht einschränken.
Deshalb setzte ich mir kürzlich die Kundenbrille auf und ging einkaufen. Allerdings fühlte ich mich auch ein bisschen gemein und hinterhältig. Entschuldigung, Herr Kollege!

 

Bei meinem Apothekeneinkauf passierte mir Folgendes:
Ich war in Deutschland unterwegs, auf dem Weg zu einer Freundin. Sie hatte mich gebeten, ihr unterwegs etwas aus der Apotheke mitzubringen. Es ging um Pfefferminzöl, welches sie sich bei Kopfschmerzen auf die Schläfen tupft. Sie wollte das Fläschchen mit dem Pad zum Applizieren haben.
Das war die Gelegenheit, eine andere Apotheke zu testen.

Ich suchte mir eine aus, die an der Durchgangsstraße einer Ortschaft in Rheinland-Pfalz lag. Sie hatte ein modernes Äußeres mit hell und bunt ausgeleuchtetem Schaufenster und einer sich einladend automatisch aufschwingenden Eingangstür.

Zwei Kunden waren vor mir dran. Ich hätte eigentlich noch gern gestöbert, aber ich wollte auch keinen neuen Kunden vor mich lassen, da meine Freundin auf mich wartete. Das einzige, was ich während der kurzen Wartezeit aufnehmen konnte, war die eigene Kosmetikserie. Gut, dass die in der Wartezone platziert war, sonst hätte ich sie gar nicht wahrgenommen.

Ein Apotheker (möglicherweise der Chef) bediente mich.
„Ich hätte gerne etwas Natürliches gegen Kopfschmerzen.“
„Tja, hm, bei starken Kopfschmerzen hilft eigentlich am besten ein Schmerzmittel wie Aspirin oder Ibuprofen.“
„Und welche Möglichkeiten gibt es sonst? Ich möchte keine Tabletten einnehmen.“
Keine Tabletten? Das brachte ihn offensichtlich aus dem Konzept. Er schaute kurz und gezielt auf meinen Bauch. Schwanger?
Nachdem er die Tastatur bearbeitet hatte, plumpste ein Schächtelchen roter Tigerbalsam aus dem Rohr hinter ihm. Nicht die allerschlechteste Idee, v.a., wenn es sich um Kopfschmerzen durch Verspannungen handelt.
Da ich heute aber in die Rolle des skeptischen, genauen und kritischen „blauen“ Kunden geschlüpft bin, musste ich nachhaken :„Was ist denn da drin?“
Er las mir vor: „Tiger- Balsam- rot -Salbe enthält v.a.: Campher; Levomenthol ; Cajeputöl ; Pfefferminzöl ; Nelkenöl . chinesisches Zimtöl.“
„Und das hilft bei Kopfschmerzen?“ Tja, so fragen blaue Kunden eben. Sie glauben nur das, was auf der Packung steht. Seine Idee war eigentlich ok. ich wäre gar nicht darauf gekommen.
Er las weiter vor. „Der Balsam lindert Symptome wie Bewegungsschmerzen oder Verspannungen bei verletzungsbedingten Muskelschmerzen.“
„Das scheint nicht das Richtige zu sein“, kommentierte ich.
Er tippte wieder in seinen PC.
Diesmal tauchte die kleine Packung von Tiger Balsam weiß auf. Die weiße Variante wirkt kühlend und hilft bei Bewegungsschmerzen oder bei Prellung, Zerrung, Verstauchung.
Lapidar meinte er:“ Das hilft auch bei Kopfschmerzen.“
Ich muss sagen, ich hätte mich auch nicht auf eine Diskussion mit mir eingelassen. Man muss auch irgendwo seine Kompetenz zeigen. Tiger Balm kann tatsächlich lindernd auf Kopfschmerzen wirken. Aber ich wollte ja etwas anderes.
„Meine Freundin meinte, dass auch Pfefferminzöl helfen soll.“
Der Knoten löste sich, als er das Ölfläschchen in der Hand hielt. „Beruhigend bei nervenschmerzähnlichen Beschwerden im Kopfbereich.“
Ich bezahlte und packte das Fläschchen ein.

:::
Für mich als Kunde war seine Beratung nicht grandios, aber auch nicht grauenhaft, eher so lala.
Demnächst folgen meine Vorschläge zur Optimierung, ich lasse mich gerne auch durch Eure Ideen inspirieren. : )
Für heute ist genug kritisiert.

Fazit:
• Ich bin froh, dass es den Leitfaden der Abda gibt, an den man sich auch im größten Trubel halten kann.
• Fehler passieren, wir sind Menschen und keine Roboter. Sei bitte nicht so hart zu Dir, falls das Ergebnis eines Testkaufs nicht optimal ausgefallen ist. Das hast Du nicht verdient. Jeder hat Ecken und Kanten, Schwächen und wunde Punkte.
• Schau Dir auch an, was gut lief!
• Man kann viel dabei lernen: Es ist Deine Chance, die Beratung zu verbessern. Oder man entdeckt die Lösung für ein Missverständnis.
• Ein „ Testkauf“, den Du selbst durchführst, tut gut. Man versteht die Wünsche und Gefühle der Kunden besser, kann sich eher in sie hineinversetzen. Auch die Kundensicht auf den HV nimmt man anders wahr, und sie gibt einem ein neues Verständnis für den Menschen vor einem. Ich als Kunde z.B. hatte keine Muße die Ware anzuschauen, da ich auf meinen Einkauf fixiert war und schnell bedient werden wollte.
• Der Kunde ist nicht Dein Feind. Kommuniziere mit ihm, stelle ihm Fragen, wenn Du nicht weiterkommst („Wie genau haben Sie sich das vorgestellt? Womit haben Sie schon gute Erfahrungen gemacht?“)

 

Meine Bitte an Dich:
Schreibe mir Deine Beratungstipps zu dieser oder einer anderen Kopfschmerzberatung.
Welche Fragen hättest Du dem Kunden gestellt?
Welche Fragen helfen Dir in Pattsituationen weiter?
Wie hättest Du das Gespräch geführt?
Wie ermittelst Du den Kundenwunsch?
Wie verabschiedest Du den Kunden mit einem Brummschädel?

Unterschätze nie Deine Kraft und Energie, sei Dir Deiner Stärken bewusst!

Viele GrüsseUta Sign b_w

PS: So hilft Pfefferminze
Zehnprozentiges Pfefferminzöl wirkt so gut wie Paracetamol. Es senkt die Hauttemperatur um ca. zwei Grad und blockiert dadurch die Schmerzweiterleitung. Zusätzlich steigert es die Durchblutung der Kopfhaut um bis zu 255 Prozent.

*

Dieses Video motiviert:

“Worauf warten sie – ich garantiere ihnen, die nächsten 30 Tage werden passieren, ob Sie es wollen oder nicht. Also warum überlegen Sie nicht einfach, was Sie schon immer mal machen wollten. Und versuchen es. Für die nächsten 30 Tage.”
Matt Cutts

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