Unter der Gürtellinie

Unter der Gürtelliniees geht

Mein Kunde leg mir schon den Betrag abgezählt hin, als ich mit seiner Arznei zurückkomme. Hat er es eilig? Oder will er sich nicht beraten lassen, weil ihm das Thema peinlich ist?
Manch einer flüchtet aus dem Laden, ohne dass ich etwas zum Medikament sagen kann.

Könnte es sich um eine „Flucht-Arznei“ handeln?

Männer-Gesundheit unterhalb der Gürtellinie erfordert eine diskrete Beratung in der Apotheke. Manch ein Kunde weiß nichts von meiner Beratungspflicht (laut Apothekenbetriebsordnung), oder er kennt sich wohl schon aus.
Aber es gibt auch Kunden, die für jeden kompetenten Tipp dankbar sind.

Schade, wenn man sich diese Chance entgehen lässt, weil man sich selbst bei diesem Thema unwohl oder unsicher fühlt.

Wie wäre es, wenn Du es Deinen Kunden leicht machen würdest, darüber zu sprechen?

  • Durch ein kompetentes und unkompliziertes Auftreten wird ein unsicherer Kunde beruhigt und er wird Dir vertrauen.
  • Vertrauen ist übrigens das größte Kaufmotiv in unserer Zeit (laut GfK).
  • Der Nutzen des Produktes muss auf den Kunden abgestimmt sein.
  • Achte auf die körperlichen und sprachlichen Signale des Kunden.
  • Stelle Fragen, um die Bedürfnisse des Kunden zu ermitteln.
  • Wenn Du ihn zu heiklen Themen verständinsvoll und klar beraten kannst, steigt auch die Compliance beim Kunden.

So kannst Du Deine Argumentation üben:

Als Argumentationshilfe kannst Du Dich an folgendes Schema halten:

1. Merkmal des Produktes, um das es geht: „ XY ist ein…“

2. Erklärung, kurz und gut verständlich: „Es schützt vor, es unterstützt…“

3. Kunden-Nutzen: „Der Vorteil für Sie ist…“ Hier erkläre ich, was für ihn dabei rausspringt.

 

1. Warum emfehle ich L-Arginin, wenn der Kunde ein Potenzmittel verlangt ?

Mein Einstieg in das Gespräch beginnt mit einer Frage.
Ich mache ich den Kunden neugierig:

„Haben Sie schon von L-Arginin gehört?“

Meine Empfehlung halte ich kurz, damit der Kunde nicht überschüttet wird und mir weiterhin zuhören kann:

1. Merkmal: „L-Arginin ist eine natürliche Aminosäure (Eiweißbaustein),

2. Erklärung: die die Durchblutung im Fluss hält und auch die Gefäße vor der gefährlichen Arteriosklerose und deren Fortschreiten schützt.“

3. Kunden-Nutzen: „Sie verbessert, vereinfacht gesagt, die Blutzirkulation.“
(Die Erektion beim Mann ist nämlich nur möglich, wenn in die erweiterten Gefäße des Gliedes mehr Blut gepumpt wird).

„Kennen Sie schon unseren körpereigenen Blutdrucksenker?“

Handelt es sich um einen „Weiß-Bescheid-Kunden“? Dann kannst Du mit einer merk-würdigen Frage Interesse wecken:

„Dann kennen sie ja sicher schon Ihren körpereigenen Blutdrucksenker?“

Falls der Kunde sich für Dein Fachwissen interessiert, kannst Du die Wirkung von L-Arginin so erklären:

L-Arginin ist die Vorstufe von unserem körpereigenen Blutdrucksenker, dem Stickstoffmonoxid (NO).

L-Arginin = NO-Donator.

Unser Körper braucht L-Arginin, denn daraus wird in den Endothelzellen (der Arterien) Stickstoffmonoxid (NO) gebildet.
NO diffundiert in die glatte Muskelzelle, um diese zu relaxieren. Dadurch wird der Blutdruck positiv beeinflusst und die Blutzirkulation wird erhöht.

Sildenafil (Viagra), Glyceroltrinitrat, Tadalafil (Cialis) und Molsidomin sind chemische NO-Donatoren.
Siehe auch mein Beitrag zu NO.

Wo finde ich L-Arginin in der Nahrung?
Nüsse, Garnelen, Thunfisch, Heilbutt, Hähnchen und auch Schokolade enthalten viel L-Arginin.

Bei arteriellen Gefäßstörungen reicht allerdings eine gesunde Ernährung nicht aus. Es muss gezielt zugeführt werden (2-6g pro Tag).


Wie kann ich L-Arginin messen?

Übers Blut lässt sich der Arginin-Plasmaspiegel messen (Mangel < 100µmol/l).

Dosierungsempfehlung:
Täglich L-Arginin 2,4g in Kombination mit Folsäure 600µg pro Tag zum Essen.
Es gibt in deutschen Apotheken ein entsprechendes Fertigpräparat.
Achtung: Bei Herpes-Virus-Erkrankungen darf kein L-Arginin genommen werden.

 

2. Warum sollte Folsäure, Vitamin B6 und B12 dazu kombiniert werden?

Sie halten das Homocystein in Schach. Homocystein ist ein Zwischenprodukt im Stoffwechsel. Ein erhöhter Homocystein -Spiegel erhöht das kardiovaskuläre Risiko und  gilt als Risikofaktor für Alzheimer-Demenz.

Homocystein beeinträchtigt den L-Arginin-Transport in das Endothel, und es steht dem Körper weniger L-Arginin zur Verfügung.

 

3. Ein geniales Extrakt: Pycnogenol

1. Merkmal : es handelt sich um ein Kieferrindenextrakt,

2.Erklärung: es verbessert die die Mikrozirkulation und wirkt gefäßerweiternd (unter vielen anderen heilenden Eigenschaften),

3.Kunden-Nutzen
: zusammen mit L-Arginin eingenommen wirkt es sich positiv auf die Gefäßgesundheit aus.

Bei Pycnogenol handelt es sich um ein konzentriertes, standardisiertes Extrakt von verschiedenen Procyanidinen. aus der Rinde der französischen Seekiefer (Pinus pinaster, aus der Gascogne).
Sie enthält viele bioaktive Moleküle namens „oligomere Proanthocyanidine“ (OPC).
Schon im Altertum wurde es bei Entzündungen eingesetzt. Procyanidine (oder auch Proanthocyanidine) gehören zur großen Gruppe der Plyphenole.

OPCs kennst Du sicher schon vom Roten Traubenkernextrakt, ein Anti-Aging-Mittel allererster Sahne. Traubenkerne stecken nämlich voller OPC (Oligomere Proanthocyanidine).
Aber auch die Schale von Weintrauben enthält ein starkes Antioxidans, nämlich Resveratrol (gehört zu den Polyphenolen)

Laut Studien hemmt die Einnahme von Pycnogenol die Plättchenaggregation und verbessert die Mikrozirkulation in den Kapillaren.

Die verbesserte Möglichkeit des Körpers zur Gefäßweitung unterstützt nicht nur die Regulierung des Blutdruckes und ist allgemein positiv für die Gefäßgesundheit, sondern verbessert auch die erektile Funktion.

Pinienrindenextrakt und die gleichzeitige Einnahme von Antikoagulantien, Antihypertonika und Nifedipin empfehle ich zu vermeiden.

 

4. Gesunde Lebensweise nicht vergessen!

Gesunde Ernährung Übergewicht kann den Testosteronspiegel eines Mannes beeinflussen. Der Testosterongehalt nimmt ab und wird zum Teil in Östrogen umgewandelt. Eine Gewichtsabnahme kann daher einen Einfluss auf die Erektionsfähigkeit nehmen. Eine mediterrane Diät mit ausreichend Obst, Vollkorn und Fisch kann sich positiv auf die Potenz auswirken.

Ausreichend Schlaf: Zur Erholung und Regeneration. Stresshormone werden abgebaut.

Stress reduzieren:  Psychische Belastungen führen zu einem Anstieg des Adrenalinspiegel. Das hat eine schlechte Durchblutung zur Folge und die Mikrozirkulation ist gestört.
Zum Thema Stress habe ich einen Artikel geschrieben. Hier geht es auch um Stimmungs-und Entspannungshormone.

Wie sieht es mit dem Rauchen aus?

Sport: Ist ein gutes Mittel um den Stresshormon-Spiegel zu senken.

Medikamente: typisch für Betablocker sind das anfängliche Auftreten von Müdigkeit, allg. Leistungsabfall und eben auch Potenzstörungen. Hier hat sich die Homöopahtie bewährt: Agnus castus, der Mönchspfeffer.


Auf den Punkt gebracht:
Mit natürlichen  Substanzen wie L-Arginin, Pycnogenol und Folsäure kann die Gefäßgesundheit optimal unterstützt werden. Studien haben gezeigt, dass die endotheliale Dysfunktion nach Supplementierung von L-Arginin hochsignifikant verbessert wurde.

Zum Thema Potenzmittel siehe letzter Beitrag.


Wann hast Du zuletzt Deinen Adrenalinspiegel gesenkt?

Ich meine nicht einen schnellen Kaffee zwischen 2 Terminen. Nein. Ich meine eine wirkliche Pause. Einfach mal Nichts tun – die Seele baumeln lassen – grundlos innehalten – die Welt um dich herum mit deiner ganzen Aufmerksamkeit beobachten? Katrin Linzbach gibt dazu tolle Anregungen:  Pausen für den Alltag

Ich wünsche Dir erholsame Pausen!

Deine Uta Sign b_w

Infos zum Beitrag:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2802, Mai 2013 (s.u. wie wirken PDE 5 Hemmer)
Literatur: Uwe Gröber, Lars Schäfer, Claudia Schlembach

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2 Gedanken zu „Unter der Gürtellinie

    • Vielen Dank für Ihren Hinweis! Dieser Artikel bezieht sich auf die Studie mit Postinfarktpatienten. Interessant ist, dass hier nicht auf mögliche Nebenwirkungen von Viagra und Cialis eingegangen wird, sondern es geht hier um Nährstoffe. Und ich lese zwischen den Zeilen auch einen Vorwurf an Apothekerinnen, die Nährstoffe empfehlen. Nein, ich fühle mich nicht angegriffen. Denn wenn ein Kunde mit einem Rezept in die Apotheke kommt, wird er individuell beraten. Ich erkläre ich ihm Dosierung, Wirkung und auf Wunsch Zusammenhänge. Auf Wunsch schauen wir gemeinsam, welchen Bedarf der Kunde hat (je nach Lebensführung usw.).
      Zum Beispiel lege ich jeder Schwangeren (und auch schon bei Kinderwunsch) eine Supplementierung mit Folsäure-Tabletten aus der Apotheke ans Herz. Folsäure beugt unter anderem Neuralrohrdefekten und Missbildungen im Gehirn bei Säuglingen vor. Dazu reicht gute Ernährung leider nicht aus.

      Folsäuremangel ist übrigens der häufigste Vitaminmangel in Industrieländern.

      Und noch ein Hinweis zu Studien:
      Ich versuche eine Studie genau zu lesen und zu hinterfragen.
      Wurde der Vitaminspiegel der Probanden vor einer Studie getestet?
      Haben die Probanden während der Studie Leistungssport betrieben, waren sie Stress ausgesetzt, haben sie ungesund gelebt, lag eine weitere Grunderkrankung vor?

      Zur Sicherheit empfehle ich eine Messung des Vitaminspiegels über das Blut oder den Urin. So kann exakt bestimmt werden, wie viel Folat/Folsäure bzw. andere Vitamine der Körper braucht.
      Eine Haarmineralanalyse gibt Auskunft zu Mineralstoffen und Spurenelementen.

      Zur Glaubwürdigkeit von Studien: http://www.medien-doktor.de/medizin/sprechstunde/praxisberichte-1-studien-und-typen-die-hackordnung-der-glaubwurdigkeit-teil-a/

      Viele Grüße, Uta Beerhenke

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