Unglaubliche Cholesterinwerte durch Fett?

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Am Freitag kam Frau Dotter* zu mir, um Ihre Cholesterinwerte messen zu lassen. Sie sieht jünger aus als sie ist (67 Jahre), achtet seit ein paar Monaten besonders auf gesunde Lebensweise, betreibt leichten Sport und ernährt sich relativ kohlenhydratarm, d.h., sie verzichtet meistens auf Kuchen und Pralinen.

„Wundern Sie sich nicht über den hohen Wert“, winkte sie schon ab. „Ich will aber keine Lipidsenker einnehmen.“ Vor neun Monaten lag Ihr Gesamtcholesterin bei 400.
Wir setzten uns in die Beratungsecke. Während ich die Testkassette und Pikser hinrichtete, erzählte Frau Dotter* mir von Ihrem gesunden Kokosfett, ein bisschen Typ gelbe Plaudertasche. Sie verwendet Kokosfett seit längerem in der Küche . Das soll wohl auch einen positiven Einfluss auf den Cholesterinwert haben. Kokosfett, hm. Ich war gespannt und etwas skeptisch.

Und dann erschien die Zahl auf dem Display… Ungläubig rief ich auch die anderen Werte ab: alle hatten sich extrem verbesert! Gesamtcholesterin lag jetzt bei 210. Glucose auch gut. Kann das nur am Kokosfett liegen? Das wäre ja ein toller Tipp. Ich kenne einige Kunden, die grenzwertige Cholesterinwerte haben, aber sonst gesund und fit sind, und zunächst mit Diät, Nährstoffen (Vitamine usw.) und Bewegung etwas Gutes für die Gesundheit tun wollen.

Wo aber findet man sinnvolle Informationen über den Nutzen von Kokosfett?
Im Internet? Da sieht man bald den Wald vor Bäumen nicht. Bei genauerem Durchlesen entpuppen sich diese Infos oft als lumpige Wiederholungen von Firmen-Flyern oder von abgeschriebenen Etiketten auf den Kokosfett-Gläsern.
Dennoch, ich wurde fündig und habe Dir hier das Wichtigste über Kokosfett zusammengestellt:

 Wegen seiner fettähnlichen Konsistenz wird das weiße bis schwach gelbliche Kokosöl auch als Kokosfett oder Kokosbutter bezeichnet. Frisches Kokosöl riecht und schmeckt angenehm nussig und exotisch.

Kokosöl besteht zu 90 % aus gesättigten Fettsäuren.
Den Hauptteil der Fettsäuren davon machen die mittelkettigen Triglyceride aus
(= Medium-chain triglycerides –MCT, ca.55 % –71 %).

Das überwiegend gesättigte Kokosöl ist reich an Capryl-, Laurin- und Myristinsäure. Es wird für die Margarine- und Süßwarenherstellung sowie als Milchprodukt-Substitut in der Lebensmittelindustrie verwendet und eignet sich wegen seines hohen Schmelzpunktes hervorragend zum Kochen, Braten und Backen.
Den Großteil davon macht die Laurinsäure aus. Diese Fettsäure wirkt gegen Viren, Bakterien und Protozoen, weshalb Sie oft Verwendung im Gesundheitsbereich findet. Außerdem erhöht sie das gute HDL-Cholesterin.
In geringerer Menge ist Caprylsäure enthalten, die auch antimikrobielle Eigenschaften besitzt.

Zu Zeiten, in denen noch nicht bekannt war, dass Cholesterin nicht gleich Cholesterin ist, gehörte Kokosöl zu den nicht favorisierten Fetten. Mittlerweile hat man herausgefunden, dass sich Kokosöl regulierend auf die Körperfettwerte auswirken kann.

 

Welche gesättigten Fettsäuren können den Cholesterinspiegel anheben (=verschlechtern)?

PTAheute Nr.18 (September 2014): „Entscheidend für die Cholesterinkonzentration im Blut ist die verzehrte Menge an Gesamtfett – insbesondere an gesättigten Fettsäuren….
v.a. tierische Lebensmittel enthalten viele gesättigten Fettsäuren und hohe Mengen an Cholesterin.“

Sehr ungesund sind Trans-Fettsäuren, die etwa in Pommes frites, Keksen, Kartoffelchips und Margarine stecken.

Fett nicht meiden, sondern auf die Qualität achten!

Gesättigte Fettsäuren können den Cholesterinspiegel zwar anheben, dies trifft jedoch nur auf drei der zahlreichen gesättigten Nahrungsfettsäuren zu, nämlich auf:

Laurin-, Myristin- und Palmitinsäure. 
Die sind also schlecht.

Alle anderen gesättigten Fettsäuren beeinflussen den Cholesterinspiegel nicht. Die drei potenziell Cholesterin-steigernden Fettsäuren üben diesen Effekt vor allem im Kontext  kohlenhydratreicher Kostformen aus.

 


Welche Möglichkeiten gibt es im Umgang mit Fetten, um den Cholesterinwert positiv zu beeinflussen?

Wir haben Glück: Wird kohlenhydratarm gegessen, sinkt (oder stagniert wenigstens) das LDL-Cholesterin auch bei einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren [1,2].

Ein Grund zum Jubeln:

Die gesättigten Fettsäuren, die das (schlechte) LDL-Cholesterin  anheben, steigern ebenso das gefäßschützende HDL-Cholesterin.

Am stärksten HDL-steigernd wirkt die Laurinsäure des Kokosfetts.

Folglich können diese gesättigten Fettsäuren zwar das Gesamtcholesterin erhöhen, der als Risikoindikator für Herz-Kreislauf-Erkrankungen etablierte Quotient aus Gesamt- und HDL-Cholesterin muss sich dadurch jedoch nicht verschlechtern (Soll < 5), er kann sogar sinken [3].

Ulrike Gonder, Diplom-Oecotrophologin:

Die oft gehörte Empfehlung an Gesunde und Patienten mit Fettstoffwechselstörungen oder metabolischem Syndrom, das Brot dicker zu schneiden und dafür die Butter nur aufzukratzen oder durch Sonnenblumenmargarine zu ersetzen, ist damit überholt. Stattdessen sollten für die kalte Küche hochwertige, gerne native Pflanzenöle empfohlen werden, die reich an alpha-Linolensäure (z. B. Raps- und Walnussöl, ca. 9% ALA) und einfach ungesättigten Fettsäuren (z. B. Oliven- und Rapsöl, ca. 60% Ölsäure) sind. Auch die besonders ALA-reichen Lein- und Hanföle (ca. 55% ALA) können empfohlen werden, sofern sie in guter, frischer Qualität zur Verfügung stehen und ihr Geschmack gemocht wird.
Zum Erhitzen sind Oliven- und Rapsöl, Nussöle sowie spezielle Bratöle mit hohem Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren gut geeignet, ebenso Kokosfett und Butterschmalz. Als Streichfett bleibt Butter „erste Sahne“, zumal Margarinen in Warentests durch unerwünschte Rückstände an Glycidylestern auffielen [4]. Mit Pflanzensterinen angereicherte Margarinen sind für Gesunde ungeeignet. Sie vermögen zwar das Gesamt- und LDL-Cholesterin zu senken. Ob sie jedoch das Herzinfarktrisiko günstig beeinflussen, wird derzeit kontrovers diskutiert [5].

 

Große, weite Welt der Fette, gar nicht so einfach, da den Überblick zu behalten.
Ich wechsle immer wieder ab, je nachdem, welches Gericht zu welchem Öl geschmacklich passt. So bekomme ich einen guten Mix aus allen Fettsäuren.

Die beste Quelle für die empfindlichen ungesättigte Fettsäuren ist das Lebensmittel, aus dem sie stammen. Also Nüsse, Gemüse, Fisch. Die ungesättigen Fettsäuren aus Fisch und pflanzlichen Ölen sind gesund und beugen sogar Gefäßerkrankungen vor.

 

Fazit, und was ich von meiner Kundin „gelernt“ habe:

Gesättigte Fettsäuren sind nicht immer ungesund! Im Gegenteil, Fette sind wichtige Nährstoffe. Sie liefern uns essentielle Fettsäuren, Vitamine A, E und D und Nervenschutzstoffe. Wir brauchen sie als Energiequelle für mehr Power!
Gesunde Lebensmittel mit vielen gesättigten Fettsäuren sind vor allem Kokosfett und MCT-Öl, aber auch Sahne und Butter.

Je weniger Fett wir essen, desto mehr Kohlenhydrate nehmen wir automatisch zu uns.
Folge: Die Blutfettwerte (Triglyceride) steigen an, das gute HDL-Cholesterin macht sich aus dem Staub.
Sinnvoller ist es, wenig Kohlenhydrate, genug Eiweiß und genügend gesundes Fett zu essen.

Wesentlich ist, dass bei kohlenhydratarmer Ernährung das  LDL-Cholesterin sinken kann, auch wenn ein hoher Anteil gesättigter Fettsäuren in der Nahrung stecken, ist das nicht genial?!

Für gute Cholesterinwerte sorgen auch

  • ausreichender Schlaf,
  • ein gutes Stressmanagement,
  • körperliche Aktivität,
  • Alkoholverzicht,
  • antioxidative Vitamine und Nährstoffe
  • und eben eine gesunde Ernährung.

 

Mein Tipp für die Küche:
Kokosfett ist ideal zum Braten und Frittieren. Es sollte allerdings nicht über 180 Grad Celsius erhitzt werden. Damit ist es ideal zum Rösten, Anbraten, Schmoren, Backen und Frittieren sowie für Fondues. Sofort wenn das Fleisch in das heiße Fett gelegt wird, bildet sich eine Kruste, die das Fleisch versiegelt: Das Fleisch bleibt saftig und zart.

Ein Tipp für den Geburtstagskuchen, Marmorkuchen, Schokokuchen oder  Plätzchen:
Will man einer Kuvertüre besonderen Glanz verleihen, fügt man der Schokolade Kokosfett hinzu.

Danke
Welchen Tipp hast Du für gute Cholesterinwerte?
Das Kommentarfeld hungert auch nach Deinem besten Kokosfett-Rezept…

Herzlichen Dank für Dein Interesse!

Deine Uta Signature transparent bw 4

 

Literatur:
Ulrike Gonder: „Fett! Unterhaltsames und Informatives über fette Lügen und mehrfach ungesättigte Versprechungen.“
[1] Forsythe, C E et al. Limited effect of dietary saturated fat on plasma saturated fat in the context of a low carbohydrate diet. Lipids (2010) 45, 947-962.
[2] Krauss, R M et al. Separate effects of reduced carbohydrate intake and weight loss on atherogenic dyslipidemia. American Journal of Clinical Nutrition (2006) 83, 1025-1031.
[3] Mensink, R.P. et al.: Effects of dietary fatty acids and carbohydrates on the ratio of serum total to HDL cholesterol and on serum lipids and apolipoproteins: a meta-analysis of 60 controlled trials. American Journal of Clinical Nutrition (2003) 77, 1146-1155.
[4] Margarine und Streichfette. Ökotest (2010) 11, 18-23.
[5] Weingärtner, O. et al.: Controversial role of plant sterol esters in the management of hypercholesterolaemia. European Heart Journal (2009) 30, 404-409.

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