Warteschlange – fertig, los!

maus und elefant 2

Hallo Cezmi Dispinar, danke für die Zeichnung!

Warteschlange, fertig, los!

Leider nicht.
Und was noch dazu kommt: ich stelle mich garantiert an der falschen Schlange an.

Wenn ich eine Warteschlange sehe, würde ich am liebsten umkehren und später noch mal wieder kommen, oder es anderswo probieren.
Warum? Weil es vergeudete und ungenutzte Zeit ist. Geht es Dir auch so?

Warum können wir das Nichtstun nicht genießen?
Naja, zum Beispiel deshalb, weil Faulenzen nicht gerade der Hit ist heutzutage. Weil wir einen übervollen Terminplan haben. Weil wir uns zu viel vorgenommen haben.

Wie läuft das Warten in der Apotheke ab?
Durch meine Kundenbrille sehe ich mürrische oder gestresste Gesichter. Ich sehe Wut, wenn sich jemand vordrängelt. Ich sehe Kunden, die die Zeit nutzen, um sich mit Ihrem Mobiltelefon zu unterhalten. Ein Hintermann hört neugierig dem Vordermann-Problem (und meiner Beratung) zu. Einer fragt sich bestimmt: „Geht das nicht schneller?“

Ich höre einen oder zwei der anstehenden Leute stöhnen. Oder ist das eher ein Druck-ablassen? Vielleicht ist das Warten auch eine Zeit der Besinnung, so wie das Warten auf den Weihnachtsmann.
Wartezeit kann auch eine gewonnene Zeit sein. Man kann sie zum Auftanken von Energie nutzen.
Am Samstag habe ich das erfolgreich ausprobiert (siehe unten).

Hier folgt meine Warteschlangen-Story aus dem Apo-Alltag, die sich so oder ähnlich zugetragen haben könnte:

Herr Fröschle* hatte sich am zweiten Tresen angestellt.
Ihm ging es gar nicht gut, er war fix und fertig. Gliederschmerzen und grässliche Halsschmerzen quälten ihn, er wollte nur noch heim ins Bett. Schon beim Arzt musste er lange warten, aber nun war sein Ziel greifbar nahe. Erwartungsvoll schaute er die Dame hinterm Tresen an.
Die Kollegin bearbeitete noch gesenkten Hauptes die Bestellung vom letzten Fall, denn irgendwie war bei ihr etwas durcheinander geraten. Herr Fröschle machte sich erwartungsvoll-fordernd bemerkbar: „Bin ich jetzt dran?“
Darauf Kollegin Zackj* in etwas strengem Tonfall: „Nein, noch nicht!“
Eventuell klang es auch etwas verärgert und genervt. Warum sah der Kunde denn nicht, dass sie den Stapel vorher noch abarbeiten musste? Wie soll man bei dem Betrieb hier denn sonst alles auf die Reihe kriegen?!

Kundenbrille: Buff! Herrn Fröschle* kam es wie eine Zurechtweisung vor, wie ein Schlag ins Gesicht.
Unser Kunde kam eine Woche später wieder. Weil er gerne in seine Stammapotheke kommt. Allerdings stellte er gleich klar: „Von Frau Zackj möchte ich nicht mehr bedient werden!“
Frau Zackj fielen alle Zacken aus der Krone! Ihr war gar nicht bewusst gewesen, was passiert war und wie sich der Kunde bei Ihrer Aussage gefühlt hatte.

So geht es besser:
– Signalisiere dem Kunden mit Blickkontakt und einer Begrüßung, dass Du ihn
registriert hast und dass er dran ist.
– Erkläre, was Du noch tun musst. Beispielsweise:„Ich nehme gerade noch die Bestellung für den Kunden vor Ihnen auf.“
– Sage ihm, wann Du für ihn da bist. „Eine Minute, dann bin ich für Sie da.“ Und bedanke Dich bei ihm.
– „Danke für Ihre Geduld!“
– Gehe mit den Kunden respektvoll um. Versetzte Dich in seine Lage. Nimm Unmutsäußerungen nicht persönlich.
– Richte eine „Schnellkasse“ ein für Nichtarzneimittel. Auch eine vorübergehende Schnellkasse „nur für Stoßzeiten“ wäre eine Möglichkeit.  Diejenigen, die nur schnell Drops oder Deo brauchen, müssen manchmal länger warten, weil der Kunde vor Ihnen eine Beratung in Anspruch nimmt. Das nervt.
– Richte eine „Zen-Kasse“ ein.
– Krem, Keks, Kräutertee : Wie wäre es, wenn einer vom Team den Kunden einen kleinen Becher Kräutertee, ein Weihnachtplätzchen oder einen Klecks duftende Handcreme während einer längeren Wartezeit anbieten würde?
– Freu Dich auf den nächsten netten Kunden.


Wie kannst Du selbst deine Zeit in der Warteschlange genießen?

Ich plane bewusst längere Pausen und Zeitlücken in den Tag ein. So bin ich in jeder Art von Stau entspannter. Ich übe mich im Nichtstun während des Wartens. Meistens lohnt sich das Warten wirklich! Ich genieße den Moment. Oder ich nutze die Zeit mit Lesen, Hörbuch, Venengymnastik etc. Man kann auch warten, und dabei die Einrichtung geistig umgestalten, oder auf einem Bein stehen und dabei abnehmen. Was machst Du beim Warten, hast Du eine Idee?

Marktbäcker

 

Gleich am Samstag hatte ich die Chance, mein Bewußtseins-Management in der Warteschlange beim Bäcker zu testen:

Schon von weitem sehe ich vier Leute anstehen. Am Marktstand. Bei Eiseskälte. Na gut, die Wartezeit ist absehbar. Ich stelle mich an und relaxe. Ich mache die Augen auf, schaue mich um, beobachte die Anderen, entdecke ein Lächeln (oder ein Gänseblümchen). Ja, es gibt sie auch, die lächelnden Wartenden. Kinder. Vor allem, wenn Ihnen der Bäcker wie heute eine süße Schlange reicht. Dummerweise  stößt er dabei das Tablett mit fünfzig süßen Teilchen runter. Alles fällt eine Etage tiefer. Mist, das kann noch dauern. In aller Seelenruhe hebt er jede Zimtschnecke einzeln wieder auf und plaziert sie liebevoll. Die Warteschlange wächst und wächst. Kurios, ich hätte nicht diese Ruhe weg. Mein Vordermann und ich grinsen uns an. Wir kommen ins Gespräch, unterhalten uns über „wie konnte das eigentlich passieren?“. Doch ganz nett, das Warten.
Neuerdings lächle auch ich beim Anstehen. Meistens.

Ich habe von meinen Kunden gelernt, dass ihr Warten für sie angenehmer verläuft, wenn sie von uns Pharmazeuten/Verkäufern wahrgenommen werden.

Die Wartezeit fühlt sich angenhmer an, wenn sie duch „Aktionen“ versüßt wird, die ablenken, oder die einen zum Lachen bringen und dadurch die Zeit verkürzen.

Für Dich:
Was ist eigentlich so schlimm an „langsam?
Welches Erlebnis hattest Du in der Warteschlange oder im Stau? Oder mit wartenden  Kunden? Wie hast Du Deinen wartenden Kunden schon mal eine Freude gemacht? Dokumentiere Dinge, die Dir beim Warten auffallen.

Ich warte auf Deine E-Mail (utas dot blog at gmx dot de) oder Deinen Kommentar!

Ich schenke Dir heute ZEIT zum Schneeflocken zählen oder Wolken anschauen!
Deine

                                                                  Uta Sign b_w

Mein Tipp: Zeitmanagement mit Ivan Blatter. Hier schreibt er zum Thema Warten.
Bilderbuch: „Bitte anstellen!“ von Tomoko Ohmura


 

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2 Gedanken zu „Warteschlange – fertig, los!

  1. Danke für den interessanten Artikel – ein anderer Blickwinkel. So habe ich das auch noch nicht gesehen, dass Kinder meistens die einzigen sind, die in den Warteschlange etwas zu lachen haben. Ich denke auch, dass man die Welt hie und da auch mal mit Kinderaugen sehen sollte.

    Ich habe grade einen Artikel geschrieben mit 30 Tipps, wie man Wartezeiten produktiver gestalten kann – vielleicht ja auch interessant: http://bit.ly/1OPVwYe

    Viele Grüße, Thomas Fleischanderl

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