Eile ist mein Doping

Habe ich etwa eine Sehschwäche für Drängler???????????????????????????????? Oder bin ich die Männerhasserin?

„Entschuldigung, die Dame war, glaube ich, vor Ihnen dran.“
Ich hätte nie gedacht, dass das noch ein Nachspiel haben würde…

 


Normalerweise stellen sich die Kunden in der Schlange an und warten geduldig oder auch mal murrend darauf, bis sie dran sind. Kann es sein, dass es ihnen nach 5 Minuten länger vor kommt, als es ist?

„Ich warte schon eine halbe Stunde!“ So wurde ich schon mal angefaucht.
Das ist mir einigermaßen unbegreiflich. Da müsste ich den Kunden ja mehrmals übersehen haben?!
Einerseits kann das bei uns in der Apotheke eigentlich nicht sein. Andererseits:

Durch die Kundenbrille betrachtet  wäre ich nach so langer Wartezeit dann auch sauer.
Wenn ich von mir als Kunde ausgehe: Ich warte maximal 10 Minuten in einem Geschäft, aber dann ist meine Schmerzgrenze erreicht, und ich gehe. Wenn´s dringend ist mache mich bemerkbar.

An diesem Dienstag hatte Oma Niedermoos diese Geduld. Oder sie verstand nicht, dass sie sich anstellen sollte, oder sie wartete auf etwas anderes. Sei´s drum. Jedenfalls tat sie mir leid, nachdem sie schon zum 2.-Mal überholt wurde. Ein Herr mit grauen Schläfen, Typ „Stress ist mein Leben“ drängelte sich gerade an ihr vorbei. Da machte sich mein Gerechtigkeitssinn bemerkbar: „Entschuldigung, die Dame war, glaube ich, vor Ihnen dran.“

Es passierte eigentlich nichts weiter.
Er drehte abrupt ab und ging zur Kollegin, die gerade von der Pause zurückkam. Die kleine Frau Niedermoos rückte auf und reichte mir ihr Rezept.
Der Fall war erledigt. Für mich und das  Mütterchen.

Nicht für Typ „Stress ist mein Leben und Eile mein Doping“…
Ein paar Tage später landete ein anonymer Brief bei meinem Chef. Der Absender beschimpfte mich als Männerhasserin. Ich würde ein geschäftsschädigendes Verhalten an den Tag legen, da ich Kunden nicht bedienen würde. Den Rest erparen wir uns lieber.
Puuh! Da musste ich erst mal eine mentale Gelassenheitsübung durchführen. Ganz lange ausautmen. Das half erst nach mehrmaligem Wiederholen, da sah ich dann Sternchen.

Ich will ja zukünftig nicht hinter jedem Kunden einen potentiellen Abmahner sehen. Und ich will die Kunden glücklich machen!
Ich würde so gerne alles richtig machen! Ich gebe mein Bestes.

Vielleicht hatte ich ja auch an diesem Tag eine Sehschwäche für Drängler? Gute Ausrede.
Naja, es gibt immer wieder Überraschungen. Im Nachhinein frage ich mich, was ich zukünftig ändern könnte. Ich weiß, es liegt allein an mir, was ich aus „Überraschungen“ mache.

Meine Erkenntnisse für überraschende und heikle Situationen mit der Warteschlange:

  • Ich betrachte den Zorn dieses Kunden so, dass er eine andere Bedeutung für mich bekommt. Die Situation war nur der Auslöser. Man weiß nie, was wirklich dahinter steckt. Ich nehme es nicht persönlich. Womöglich hat er vorher schon in anderen Läden unangenehm lange warten müssen.
  • Der Kunde hatte sich (vor-)gefreut, dass er gleich dran gewesen wäre. Besser, als er erwartet hatte! Das Glücksgefühl streckte schon die Fühler aus. Und dann wurde seine Erwartung enttäuscht. Ich habe ihn ge-täuscht. Irgendwie verständlich, dass er ärgerlich wurde.
  • Ich mische mich zukünftig NICHT ein, wenn es darum geht, wer als Nächstes dran kommt.
  • Kein Kunde will übergangen oder übersehen werden. Wenn nötig spreche ich kurz den anderen Wartenden an: „Ich hole Ihnen gleich eine Kollegin.“ Oder: „Ich schaue mal, ob eine Kollegin für sie frei ist.“ Der Kunde weiß dann, dass er wahrgenommen wurde. Ich mache das sogar, wenn gerade keine Kollegin zur Verfügung steht. Komischerweise entspannt das die Situation.
  • Später bedanke ich mich kurz bei dem Kunden: „Vielen Dank für Ihre Geduld.“ Das „Danke“ kommt übrigens besser an als eine Entschuldigung.

Aus diesem Fehler habe ich gelernt. In Zukunft bin ich noch aufmerksamer gegenüber gestressten, eiligen Kunden. Das ist meine Chance! Und auch eine neue Chance für die eiligen und gestressten Kunden.

Zum Schluß ein Zitat, was mir in diesem Zusammenhang gut gefallen hat:

“Wenn wir Menschen behandeln, wie Sie sind, dann machen wir sie schlechter; wenn wir sie dagegen behandeln, als wären sie bereits so, wie sie sein sollten, dann bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.”
Johann Wolfgang Goethe

 

 

Ich danke Dir für Deine Zeit auf meinem Blog! Einen ähnlicher Apo-Knaller kannst Du hier nachlesen.

Filmtipp:
Einer, der sich in der Apotheke Zeit lässt, ist der Auftragskiller Joe im Film
„Bangkok Dangerous“. Er verliebt sich in eine thailändische taubstumme Apothekerin. Sehenswert, am besten das Original (1999) mit  Pawalit Mongkolpisit.

 

Für die nächsten Tage wünsche ich Dir

viele positive Überraschungen!Uta Sign b_w Deine

 

Um ähnliche Apo-Knaller dreht es sich in meinem Post  „Hopp, hopp“ und „Der gereizte Kunde“.

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