Gibt´s Pilze?

1. Was tun, wenn man sich den Fußpilz-SprayIMG_4434

versehentlich in den Rachen gesprüht hat?

 

 

 

Ausspucken, husten, röcheln, würgen, fluchen… und über sich selbst lachen. Schmeckt scheußlich, brennt, aber man überlebt!

Nach dieser lustigen Episode bei uns zu Hause drängten sich mir ein paar Fragen zum Thema Pilze auf, die ich Dir heute präsentieren möchte.

 

2. Hätte der Fußspray auch bei Pilz im Mund geholfen?
Da stellt sich mir zuerst die Frage, um welchen Pilz es sich üblicherweise bei Mundsoor handelt.
Mundsoor ist eine Hefepilz-Infektion im Mundraum. In den meisten Fällen handelt es sich um Candida albicans. Hier helfen Antimykotika der Serie lokale Polyene (wie Nystatin). Siehe Frage Nr.3!
Bei Candida sind auch Azol-Antimykotika, also auch Clotrimazol, wirksam.

Aber Vorsicht: flüssige Zubereitungen von Clotrimazol dürfen nicht im Bereich der Augen, auf Schleimhäuten (also auch Mund) oder im Genitalbereich angewendet werden. Es kommt zu Hautreizungen! Generell sollte Clotrimazol nicht auf offene Wunden aufgebracht werden.

 

3. Was hilft bei Mundsoor?
Bei Mundsoor (pelzige Zunge, weißer oder gelber Belag, Mundgeruch…) bietet sich die Behandlung mit Antimykotika in Form von Lutschtabletten oder Suspensionen an. Üblicherweise werden bei Mundsoor Nystatin, Miconazol, Amphotericin B oder auch Natamycin (mein Silvesterbeitrag) verwendet.

Das gute alte Nystatin gehört zu den Polyen-Antimykotika (Porenbildner): Es schießt Löcher in die Pilzzelle und Kaliumionen treten aus dem Inneren der Zellen aus. Mit dieser Taktik tötet Nystatin den Pilz ab. Das nennt sich dann „fungizide Wirkung“.

Um das brennende Gefühl auf der Zunge zu lindern, empfehle ich Ratanhia-Tinktur. Die darin enthaltenen Gerbstoffe wirken adstringierend. Indikationen sind auch Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch.

Diese Hefepilze schlecken gerne Zucker, das ist ihre Hauptnahrung. Deshalb sollte man während einer Erkrankung mit Mundsoor auch auf zucker- und hefehaltige Nahrungsmittel verzichten.

 

4. Welche Hautpilze kommen häufiger vor?

Es gibt drei Hauptgruppen bei den Hautmykosen:
Fadenpilze (Dermatophyten: Trichophyton-Arten),
Hefepilze (bekannt sind v.a.Candida albicans und Malassezia furfur) ,sowie
Schimmelpilze wie beispielsweise Aspergillus fumigatus.
Dermatophyten und Candida sind sehr verbreitet.

 

Keine Panik!
Bei 30% aller Menschen befinden sich Candida dauerhaft auf den Schleimhäuten. Das heißt: Mund, Rachen, Verdauungstrakt und Intimbereich.
Das ist völlig normal, solange sie sich nicht vermehren. Beschwerden verursachen sie erst, wenn sie sich durch verbesserte Wachstumsbedingungen  (feucht, warm, sauerstoffarm) vermehren.

 

Clotrimazol (aus obigem Fußspray) wirkt gegen alle drei Hauptgruppen der an Hautmykosen beteiligten Pilze.

Candida-Infektionen in den Hautfalten: hier helfen Clotrimazol, Miconazol, Econazol, Ciclopirox oder Nystatin.

Dermatophyten auf den Füssen : Behandlung siehe 5. Frage.

 

 

5.Warum stinken meine Arbeits-Turnschuhe so?
Hier könnte es sich um einen Fußpilz (Dermatophyten) handeln.
Man muss nicht immer unter dem typischen Juckreiz leiden. Manchmal schuppt sich die Haut, es bilden sich Rhagaden oder man kann kleinen Bläschen entdecken. Auch das kann Pilz sein. Durch starkes Schwitzen und Feuchtigkeits-Stau können sich die Dermatophyten vermehren und leichter in die Haut eindringen.

 

6. Ist mangelnde Hygiene schuld am Fußpilz  ?

Zunächst einmal: Fußpilz kommt sehr, sehr häufig vor. Es ist keineswegs peinlich!
Fußpilz hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun.

Und die gute Nachricht:
Man kann vorbeugen.
+ Schuhe häufig wechseln und durchtrocknen lassen.
+ atmungsaktives Material für Socken und Schuhe.
+ rissige Haut vermeiden.
+ Socken und Handtuch bei mindestens 60 Grad waschen.

Pilzerkrankungen am Fuß werden durch Dermatophyten (Fadenpilze) hervorgerufen, meistens handelt es sich um Trichophyton rubrum und Trichophytum interdigitale.
Dermatophyten werden über infizierte Hautschüppchen übertragen. Sie fühlen sich pudelwohl auf unserer Haut, aber noch lieber da, wo es feucht, warm und dunkel ist, also in den Hautfalten. Sie warten einfach geduldig ab, bis es stickig und dunstig wird. Dann treten sie in die Hornschicht ein und laben sich an dem Keratin der abgestorbenen Zellen. Keratin ist ein Eiweiß in der Haut.
Begünstigende Faktoren sind, wenn das Abwehrsystem der Haut nicht mehr optimal funktioniert. Dazu gehören vor allem der Diabetes oder Durchblutungsstörungen.
Achtung! Auch Schuhe, die ein ganzes Jahr nicht benutzt wurden, können immer noch Fußpilz übertragen.

 

7. Was hilft schnell bei Fußpilz?
Am schnellsten hilft Terbinafin oder Ciclopirox: 1x täglich eine Woche lang anwenden reicht normalerweise aus.
Bei mir war der Geruch schlagartig weg, nachdem ich die Füße ein paar Tage lang großzügig mit Ciclopirox-Lösung behandelt hatte.

Imidazol-Derivate (Bifonazol) sollte man 3-4 Wochen anwenden.
Clotrimazol aus unserem Fußspray-Beispiel wirkt nicht gegen ruhende Sporen, sondern nur vermehrungshemmend, also fungistatisch. Deshalb empfehle ich, es lieber 4 Wochen lang auftragen.

Bei Pilzerkrankungen ist keine Selbstheilung möglich, und sie können sich auch auf andere Körperregionen ausbreiten. Deshalb rate ich auf jeden Fall zur Behandlung.

 

8. Meine Tipps für Pilz-Füße:IMG_4400
-Ich empfehle, die Schuhe regelmäßig zu desinfizieren und die Strümpfe bei mindestens 60 Grad zu waschen, oder einen desinfizierenden Wäschezusatz zu verwenden.

– Haut immer gut abtrocknen, und dafür ein extra Handtuch verwenden.

– Sehr gut für die Füße ist auch barfuß laufen. Im Schwarzwald bei Dornstetten gibt es einen sehr empfehlenswerten Barfußpfad für die ganze Familie, auf dem ich schon viel Spaß hatte.

– Füße mögen es, wenn sie mit basischen Fußbädern verwöhnt werden. (Und es entspannt auch wunderbar).
Warum basisch?
Auf meiner Schwarzwald-Tour habe ich gelernt: Wenn der Waldboden zu sauer wird, sprießen dort die Pilze.
Genau so ist es mit unserer Haut: Ist das Milieu übersäuert, dann können Pilze wachsen und gedeihen.
Basen-Fußbäder neutralisieren die Säuren. Dadurch fördern sie die Regeneration der Haut und entziehen Hautpilzen das saure Milieu, welches ihnen als Lebensgrundlage dient. Ein Favorit ist das Siriderma basische Badekonzentrat.

Bei meiner Kollegin plätschert es manchmal unter dem Tisch: sie stellt ihre Füße nach der Arbeit in ein Fußbad. Um Zeit zu sparen, während des Essens. Die Idee gefällt mir. Vielleicht gibt´s Pilze?

Ich freue mich auf Feedback, und hoffe, dass Deine Ergänzungen zu meinem Beitrag wie Pilze aus dem Boden schießen!

 Deine

                Signatur Deine Uta

 

PS: Ein weiterer Artikel zu diesem Thema: Silvester-Käse  und Ort der Schande

Buchtipp:
In dem spannenden Kriminalroman „Isarlauf“ von Bettina Plecher geht es um Pilze, Drogen und die münchner Medizinwelt.

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