Ich brauch glaub‘ Urlaub

SalzEin Beispiel aus dem Apothekenalltag:

Herr Zurnudel* kommt gerade vom Urlaub am Meer zurück.
„Eigentlich brauche ich jetzt erst mal Urlaub, um mich vom Urlaub zu erholen! Warum bin ich nur so schlapp?“

Ich hätte da eine Vermutung…

 

 

Müßiggang, Meer, Meerwasser, Salz, täglich Meersalz-Wasser geschluckt und zu viel versalztes Essen konsumiert.

Kein Wunder, wenn die Energie flöten geht. Denn Salz wirkt auf die Blutgefäße, erhöht den Blutdruck und reduziert die Sauerstoffversorgung der Organe.

Beim Bewegen (zum Bsp. Schwimmen im Meer) weiten sich unsere Blutgefäße, volles Rohr sozusagen.
Damit steht uns Sauerstoff und Nährstoffe zur Verfügung . Beim süßen Nichtstun (im Liegestuhl faulenzen) bleibt alles beim Alten.

Woher wissen die Blutgefäße, wann sie uns verstärkt Sauerstoff liefern sollen?
Das liegt an der Gasbildung! Das geht so:
Unsere Arterien und die kleinen Arteriolen sind innen mit einer Zell-Tapete auskleidet, genannt Endothel. Das ist die Grenzschicht zwischen Arteriengewebe und Blut.

Die Endothelzellen nehmen aktiv am Stoffwechsel teil.
Das Kuriose: diese Zellen können pupsen! Sie bilden ein Gas, das Stickstoffmonoxid (NO = Stickoxid). Und das ist sogar äußerst nützlich!

NO lässt u.a. die ringförmige Arterien-Muskulatur entspannen und weiten. Die Gefäßerweiterung führt zu einer verstärkten Durchblutung. Daher dann
mehr Sauerstoff und folglich mehr Energie!

Das heißt: Stickstoffmonoxid versorgt Herz, Nieren, Gehirn und Geschlechtsorgane mit Blut.

Speisesalz (Natriumchlorid) lässt die Endothelzellen erstarren, sie „pupsen“ weniger Gas, die Bildung von NO ist verlangsamt. Wenig Stickstoffmonoxid bedeutet Verengung und schnellere Verkalkung der Blutgefäße. Der Blutdruck steigt und damit auch das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt, v. a. nach jahrelangem Verzehr von NaCl.

Niedrige Stickstoffmonoxidwerte werden auch mit Diabetes und Erektionsstörungen in Verbindung gebracht.

Es gibt in der Apotheke chemische NO-Donatoren auf Rezept zu haben:

-Glyceroltrinitrat, bekannt als Nitroglycerin, und
-Molsidomin, beide u.a. eingesetzt bei Angina Pectoris.

-Sildenafil, bekannt als Viagra,
-Tadalafil, bekannt als Cialis.

 

Wie kommt mein Kunde zu mehr Stickstoffmonoxid ohne Rezept?

  • Inhalt des Salzstreuers austauschen. Kochsalz reduzieren bzw. ersetzen.
  • Ich empfehle Meersalz (ungebleicht) und Himalaya-Salz, also kein reines Natriumchlorid.
  • Blutdruck regelmäßig checken , er sollte im Normalbereich liegen. Ev. Arztbesuch.
  • Risikomarker überprüfen lassen.
    Zum Beispiel Homocystein, ADMA (erhöht, wenn zu wenig L-Arginin zur Verfügung steht) und Cholesterin
  • Ans Trinken denken und es auch tun (möglichst kohlendioxidarm)
  • Folgende Nährstoffe haben sich bewährt, damit es den Blutgefäßen gut geht:

    L-Arginin (kann auch als NO-Donator bezeichnet werden), eine wichtige Aminosäure
    Folsäure
    Vitamin B6 und B12
    Pflanzliche Antioxidantien

  •  Gemüse wie Rucola und andere Blattsalate, Spinat, Kohlrabi, Rote Beete, Radieschen und Rettich speichern viel Nitrat als natürliche Quelle von NO. Hier liegt der Anteil bei 1.000 bis 4.000 Milligramm pro Kilogramm.
  • Weniger Stress, mehr Achtsamkeit : )

In diesem Sinne wünsche ich Dir ein entspanntes Wochenende und viel Energie nach den Ferien!

Ich brauche jetzt dringend Urlaub. Das kalte Herbst-im-Sommer-Wetter in den letzten Tagen ist schuld. Vielleicht war das auch ein Grund fürs Durchhängen bei Herrn Zurnudel?
Ich bin jedenfalls schon mit einem Fuß im Meer!
Signatur Deine UtaLiteratur: Uwe Gröber, PTA Heute, 6.3.2007
Hängolin

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4 Gedanken zu „Ich brauch glaub‘ Urlaub

    • Hallo Petra,
      vielen Dank!
      Wenn ich daran denke, was sich alles an Zusatzstoffen in unserem Speisesalz befindet, vergeht mir der Appetit. Zum Beispiel Rieselhilfen, Glucose, Kaliumjodid. Auf meinem billigen Jodsalz mit Fluorid ist Natriumferrocyanid deklariert!
      Cyanid = Blausäure! Das kommt sofort in den Müll.

      • Hier möchte ich als Chemiker doch etwas wiedersprechen.
        Natriumferrocyanid (eigentlich Natriumhexacyanidoferrat) ist ungefährlich. Ich habs für das Kaliumsalz kurz gerechnet (und mich hoffentlich nicht verrechnet), demnach bräuchte man einige hundert tonnen der Rieselhilfe für eine tötlcihe Dosis Blausäure (ca. 10t/kg Mensch) da dürfte das Salz zuerst tötlich sein. Geringe Mengen Jodid braucht der Mensch. Ich gebe aber unumwundne zu, das wir hierzulande eh zu viel Salz konsumieren und bei Schilddrüsenprobleme das Jod dann nicht ungefährlich ist. Beim Flourid muss jeder sehen; wer schon entsprechende Zahnpasta nutzt braucht vermutlich kein Salz mit Florid.
        Was die Glucose im Salz angeht da muss ich aber auch passen was das da soll.

        Außerdem wird Salz (und auch Zucker) nicht gebleicht, höchstns durch umkristaliesieren gereinigt. Salz ist von natur aus weiß (wird durch die oben genante Rieselhilfe aber etwas gelblich erscheinen)

        Persönlich nehme ich aber auch lieber Meersalz. Himalajasalz ist 99,8% genau das gleiche (nur spuren farbiger salze/verunreinigungen) und kommt 1. sehr selten aus dem Himalaja und ist 2. tierisch teuer für ein Salz

        mit freundlichem Gruß. (bei Bedarf rechne ichs gern nochmal genauer und länger)

      • Herzlichen Dank für Dein interessantes Feedback, Andreas!
        Ich bin beruhigt, dass das Natriumferrocyanid nicht ins Gewicht fällt. Zum Vergleich: die tödliche Menge von NaCl sind ca. 10 Eßlöffel.
        Wie sieht es mit Aluminiumoxid als Rieselhilfe aus?
        Ich verwende gern Fleur de Sel, das schmeckt auch milder.
        Schöne Woche! Uta

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