Grillparty-Folgen

Herr Vandervettel* legt sicher gern die dickste Wurst auf den Grill. Obwohl er gegen seine Pfunde kämpft, gewinnen immer wieder das Grillhähnchen mit Haut oder die Rote mit Pommes. Zum Nachspülen reichlich Bier. Damit Vitamine nicht zu kurz kommen, drängt ihm seine besorgte Frau wenigstens ein paar „gesunde“ Smoothies auf.
Welches Leiden kommt Dir da in den Sinn????????????????????????????????

Richtig: Die Gicht, eine „Überflusskrankheit“.
Bei der Gicht handelt es sich um eine angeborene Störung des Harnsäure-Stoffwechsels., zu 99% eine Ausscheidungsstörung der Niere.

Die überschüssige Harnsäure sammelt sich im Bereich der Gelenke an. Dort fällt sie als Natriumurat aus, das sind scharfkantige Kristalle, die Entzündungen hervorrufen.

Wodurch erhöht sich eigentlich der Harnsäurespiegel im Blut?

Vermehrte Harnsäure-Bildung:
a) Durch Purine, die Vorstufen von Harnsäure. Sie kommen u.a. in tierischen Lebensmitteln (Innereien!) und Hülsenfrüchten vor.
Und weg mit dem Bier, auch alkoholfreies Bier! Es hat einen hohen Puringehalt.
Fasten: kann den verstärktem Abbau von körpereigenen Proteinen fördern. Die Harnsäurekonzentration steigt an. Bei vorbelasteten Menschen kann das zu Gichtanfällen führen.

Ausscheidung von Harnsäure vermindert :
b) übermäßiger Konsum von Alkohol. Die Bildung von Milchsäure wird begünstigt, das Blut übersauert und die Harnsäure kristallisiert aus als Natriumurat. Außerdem hemmt Alkohol die Harnsäure-Ausscheidung über die Niere.

c) Fett: es empfiehlt sich, v.a. tierische Fette zu vermeiden, da sie die Entstehung von Ketonkörper fördern (Ketoazidose). Folge der Übersäuerung: Die Ausscheidung von Harnsäure wird gehemmt. Vorsicht bei Pommes bzw.Öl in der Fritteuse: Mehrmals hocherhitzte Fette enthalten giftige Radikale.

d) Fruktose, Haushaltszucker Saccharose (50% Fructose), Sorbit.
Vorkommen in Früchten, Fruchtsäften, Marmelade, Smoothies, in vielen Fertigprodukten, Sportlernahrung.
In Früchten ist Fructose kein Problem, da Ballaststoffe als „Gegenmittel“ gleich mitgeliefert werden. Als schneller Energieliferant boten Früchte schon unseren frühzeitlichen Vorfahren den Kick fürs Jagen.
Fructose beschleunigt den Abbau von Purinen und stimuliert die Produktion von Milchsäure. Die Ausscheidung der Harnsäure über den Urin wird verringert.
Wie Milchsäure den Stoffwechsel beeinträchtigt, das ist auch ein sehr spannendes Thema, ev. für einen neuen Beitrag. Wenn Ihr wollt.

Risiken:
Gichtanfall, Gichtknoten, Gichtgeschwüre, chronisch-destruktive Gelenkveränderungen, Schädigung der Niere (Gichtniere) mit Bildung von Nierensteinen, d.h. Harnsäuresteinen im Nierenbecken. Nephrotische Hypertonie kann zur Herzinsuffizienz führen.

Welche Tipps gebe ich meinen Allopurinol-Kunden?
Frische Rohkost und Salate, reich an Antioxidantien. Vitamin C scheint dei Ausscheidung der Harnsäure zu begünstigen, es unterstützt die Fettverbrennung und es reguliert die Freisetzung von Insulin. Und es kann noch mehr! Siehe Literatur.
Vitamin E wirkt entzündungshemmend und dadurch schmerzhemmend bei Gicht. Da wir ca. doppelt so viel Fett essen wie unsere Steinzeit-Vorfahren, brauchen wir viel mehr Vitamin E, um das  „Ranzigwerden“ zu verhindern.
Tipp für Obst-Genieser: Frisch vom Baum ( haben wir deshalb so lange Arme und Beine?) enthält Obst noch alle wertvollen Inhaltsstoffe. Früchte bitte mit NICHTS kombinieren, sonst werden sie nicht richtig verdaut und die meisten Eigenschaften gehen verloren. Das heißt: 20 Minuten Abstand zu anderen Speisen lassen.

Kartoffeln, hochwertige kaltgepresste Öle, Dinkelbrot und Mischbrot (sonst wenig Getreide wegen Glucose!), Eier, Milchprodukte, schonend und frisch zubereitete Speisen.
Auch wichtig: rund 2 Liter pro Tag trinken (Tee, Kaffee, Mineralwasser).

Vorsicht:
Durch Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln können höhermolekulare purinhaltige Verbindungen zu niedermolekularen Verbindungen und freien Purinbasen abgebaut werden.
Diese werden leichter resorbiert. Folge: Harnsäure-Konzentration im Plasma wird erhöht.

Info: Es gibt Tabellen mit Angabe der Harnsäurewerte in der Nahrung.

Ziel:
Dauerhafte Senkung der Harnsäurewerte. Basis: Diättherapie

Literatur:
Dr. med. Ulrich Strunz „Vitamine, aus der Natur oder als Nahrungsergänzung – wie sie wirken, warum sie helfen“.
Hier erfährst Du, warum Vitamine heute wichter sind als je zuvor. Verblüffende Fälle aus seiner Praxis. Von den Medien falsch ausgewertete Studien und wissenschaftlich korrekt interpretierte Studien. Er liefert handfeste Argumente für den Einsatz und Nutzen von Vitaminen. Sehr spannend geschrieben!
Einfach und gut erklärt wird das Thema Gicht von Eva Marbach: „Gesundheitsratgeber Gicht“, mit vielen Tipps für die Kunden.

Der nächste Beitrag erscheint am 27.06.2014. Er beginnt mit einem Witz. Dabei erfährst Du etwas über Unwörter.

Viel Erfolg bei Eurer Beratung! Eure Uta Beerhenke

* PS: Die Namen, die ich in meinen Beispielen verwende,
sind immer Pharmazie- äh Phantasie-Namen.
PS 2: Das hungrige Kommentar-Feld unten möchte gern mit Deinem Feedback gefüttert werden!

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